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Nein, meine „Suppe“ ess' ich nicht!

Wenn ein Kind mit einer seltenen erblichen Stoffwechselstörung auf einmal seine Spezialnahrung nicht mehr essen möchte, ist guter Rat teuer. Gerade weil das Kind auf die Zufuhr der Spezialnahrung angewiesen ist, führt das Verweigern der Spezialnahrung schnell zur Beunruhigung der Eltern.

 

 

Damit es gar nicht erst soweit kommt, dass Ihr Kind den Verzehr seiner Spezialnahrung verweigert, können Sie im Alltag einiges beachten:

  • Rituale sind wichtig. Gewöhnen Sie Ihr Kind von Anfang an an bestimmte Rituale rund um den Verzehr der Spezialnahrung. Gleiche Zeit, gleicher Platz am Tisch, gleiches Schälchen, gleicher Löffel, gleicher Schüttelbecher. Bekanntes ist Vertrautes! Sorgen Sie auch für eine angenehme Atmosphäre beim Essen: Erzählen, Lachen und Genießen.
  • Gerade am Anfang gilt: Nicht zu viel Vielfalt! Am Anfang ist es wichtig, sich an den Geschmack der Spezialnahrung zu gewöhnen und diese zu akzeptieren. Zu viel hin und her probieren irritiert die Kleinen.
  • Keine Diskussion: Der Verzehr der Spezialnahrung gehört zur täglichen Routine dazu. Machen Sie Ihrem Kind von Anfang an klar, dass Sie in diesem Punkt nicht mit sich diskutieren lassen. Bleiben Sie dabei freundlich aber bestimmt!
  • Vermeiden Sie einen Machtkampf, bei dem Sie zwar am längeren Hebel sitzen, die Kinder jedoch nur negative Assoziationen bekommen. Jedes Kind wird einmal testen, wie Mama und Papa reagieren, wenn sie etwas ablehnen, weil sie merken, dass es Ihnen wichtig ist. Entscheidend ist es dann, keinen Druck auszuüben, aber geduldig zu überzeugen.
  • Den Verzehr der Spezialnahrung positiv bestärken: Verbinden Sie den Verzehr der Spezialnahrung immer mit etwas Positivem. Zum Beispiel könnten Sie Ihrem Kind nach dem erfolgreichen Verzehr seiner Spezialnahrung aus seinem Lieblingsbuch vorlesen oder Ihr Kind darf anschließend mit seinem Lieblingsspielzeug spielen. So hat Ihr Kind etwas, worauf es sich freuen kann und die Spezialnahrung steht nicht mehr im Vordergrund.
  • Loben Sie Ihr Kind, wenn der Verzehr der Spezialnahrung gut klappt.
  • Keine negativen Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Verzehr der Spezialnahrung: Wenn Sie Ihrem Kind drohen, damit es die Spezialnahrung nimmt, wird Ihr Kind immer diese negative Erfahrung mit der Spezialnahrung verbinden.
  • Wie gut Ihr Kind seine Spezialnahrung akzeptiert, hängt auch stark von Ihrer Haltung ab. Wenn Eltern sagen: 'Das riecht aber komisch', ist das nicht gerade förderlich. Auch ohne Worte kann ein Gesichtsausdruck Bände sprechen und den Appetit verderben.
  • Seien Sie überzeugt von der Spezialnahrung. Wenn Sie unsicher sind, spürt Ihr Kind das.  Machen Sie sich klar, dass es um die Gesundheit Ihres Kindes geht. Das stärkt die innere Entschlossenheit und Sie strahlen die nötige Autorität aus.
  • Versuchen Sie Ihrem Kind seine Spezialnahrung als "Zaubertrunk", "Kraftnahrung" oder ähnliches schmackhaft zu machen. Das richtige „Verkaufen“ der Spezialnahrung ist manchmal der Schlüssel. Nicht selten haben Kinder schon regelrecht nach ihrem „Kraft-Saft“ verlangt, wenn man erklärt „Durch den Zaubertrank wirst du stark wie ein Bär und schlau wie ein Fuchs.“

Generell gilt: Um unseren Kindern einen guten Umgang mit den Mahlzeiten, mit der Ernährung und vor allem der Spezialnahrung zu vermitteln, ist es wichtig, von Anfang an einen guten Start in die Familienkost zu haben. Entscheidend ist vor allem auch der Spaß am Essen und damit eine entspannte und stressfreie Atmosphäre. Schließlich sollte die Freude am Essen und am gemeinsamen Zusammensein in der Familie im Vordergrund stehen.

Falls Ihr Kind die Spezialnahrung einmal verweigern sollte, können dafür mehrere Gründe vorliegen:

  • Ihr Kind ist bereits satt und möchte deswegen nichts mehr essen / trinken.
  • Die Spezialnahrung wurde mit zu viel Flüssigkeit vermischt und aufgrund der großen Menge möchte Ihr Kind sie nicht trinken.
  • Die Spezialnahrung ist mit zu wenig Flüssigkeit vermischt, so dass der Geschmack sehr intensiv ist.
  • Ihr Kind hat entdeckt, wie sehr Sie darauf achten, dass es seine Spezialnahrung nimmt und lehnt die Nahrung ab, um Ihre Aufmerksamkeit zu erregen oder seinen Willen durchzusetzen.
  • Vor allem kleine Kinder haben manchmal einfach „Phasen“, in denen sie weniger essen. Kommen vielleicht die nächsten Zähne? Bahnt sich eine Krankheit und die entsprechende Appetitlosigkeit an? Auch Erwachsene haben nicht jeden Tag gleich viel Appetit.


Sicher gibt es noch andere mögliche Ursachen. Auch Dinge, die auf den ersten Blick nichts mit der Diät zu tun haben, können dazu führen, dass Kinder ihre Spezialnahrung verweigern: Gab es beispielsweise in letzter Zeit größere Veränderungen im Leben Ihres Kindes (Umzug, Geburt eines Geschwisterchens, Wechsel in Kindergarten oder Schule, Trennung der Eltern)? Wird Ihr Kind in Kindergarten oder Schule aufgrund seiner Stoffwechselstörung ausgegrenzt oder gehänselt? Wenn Sie die Ursache kennen, finden Sie vielleicht auch eine Lösung für das eigentliche Problem.

  • Geduld ist die Devise! Oft testen die Kinder ihre Eltern nur und lehnen etwas ab, um zu sehen, wie Mama und Papa reagieren. Dann ist es ratsam, die Spezialnahrung geduldig aber konsequent anzubieten und ruhig abzuwarten. Stattdessen kann sich die Familie nach Herzenslust beim Essen über den Tag oder spannende Themen unterhalten. Manchmal hilft es schon, wenn der Fokus nicht mehr auf dem Kind liegt.
  • Gelassenheit ist auch bei vorübergehenden Phasen angesagt. Je gelassener Sie in Situationen wie z.B. Appetitlosigkeit reagieren, umso eher legt sich diese Phase bei Kindern wieder.
  • Geben Sie die Spezialnahrung auch bei ungewohnten Situationen ganz selbstverständlich, ohne große Aufmerksamkeit oder gar Mitleid. Unsicherheit und Zweifel der Eltern spüren Kinder meist sehr schnell.
  • Beteiligen Sie Ihr Kind an der Zubereitung der Spezialnahrung. Vielleicht findet ihr Kind es toll, wenn es selbst aktiv werden kann. Wenn es selbst den Löffel schwingen oder den Schüttelbecher schütteln darf, ist es vielleicht eher bereit, die Spezialnahrung anschließend auch zu verzehren
  • Manchmal hilft es auch, zu früheren „Ritualen“ zurückzukehren. Hat Ihr Kind seine Spezialnahrung früher immer aus einem bestimmten Fläschchen oder in einer bestimmten Art und Weise zubereitet bekommen? Auch wenn es aus dem Fläschchenalter rausgewachsen ist, können solche Erinnerungen an die frühe Kindheit helfen.
  • Je selbständiger und älter die Kinder werden, umso mehr Vielfalt kann ihnen schließlich geboten werden. Vielleicht hat Ihr Kind den Geschmack der Spezialnahrung satt und verweigert daher den Verzehr. Probieren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind verschiedene Zubereitungsmöglichkeiten aus. Vielleicht finden Sie neue Kombinationen (mit Saft, Obstmus, Sirup oder ähnlichem), die Ihrem Kind schmecken. Um gerade kleine Kinder nicht zu verwirren, sollten Sie noch nicht zu viel experimentieren. Im Fokus steht hier, ein gleichbleibendes Ritual zu finden, welches Ihr Kind kennt und als ganz selbstverständlich ansieht.
  • In manchen Fällen, z.B. bei Krankheit, kann es hilfreich sein, die Zubereitung der Spezialnahrung zu variieren, um sie im Notfall zu „verstecken“. Probieren Sie einfach mal die Zubereitung mit Fruchtmus, Sirup oder ganz anderen Zutaten aus, so dass Sie diese dann im Notfall parat haben.


Wenn gar nichts hilft und Ihr Kind auch nach mehreren Versuchen die Spezialnahrung verweigert, sollten Sie unbedingt den Rat Ihres Stoffwechselteams (Arzt oder Diätassistentin) einholen. Diese kennen Sie und Ihr Kind und können Ihnen sicherlich weiterhelfen. Auch der Austausch mit anderen Eltern in einer ähnlichen Situation kann hilfreich sein.